Home Literatur Histaminintoleranz Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit

Autor: Reinhard Jarisch
Verlag: Thieme, Stuttgart

 

 

 

Ein erheblicher Teil nahrungsmittelinduzierter Unverträglichkeitsreaktionen ist nicht durch Allergien bedingt, sondern sind Intoleranzreaktionen ohne Beteiligung des Immunsystems. Viele unserer alltäglichen Nahrungsmittel, etwa Käse, Tomaten oder Wein, können erhebliche Mengen an Histamin enthalten, jener Substanz also, die bei allen echten Soforttypallergien als Hauptmediator die zentrale Rolle spielt. Die Aufnahme von exogenem Histamin durch die Nahrung kann bei zahlreichen Menschen entweder konstitutiv oder etwa als Folge der Einnahme von Medikamenten zum vielfach chronischen und in der Praxis oftmals unerkannten Krankheitsbild der Histamin-Intoleranz führen. Das Spektrum der möglichen Symptome reicht von Rhinitis, Hypotonie, Colitis und rezidivierender Diarrhö bis hin zu Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Asthma und Menstruationsbeschwerden. Das Buch beschreibt Klinik, Pathomechanismus und Diagnostik der Histamin-Intoleranz, zeigt Möglichkeiten der medikamentösen Therapie auf und enthält zahlreiche Informationen zur Minimierung der Histaminbelastung in der täglichen Ernährung. In seiner großteils auch für Laien verständlichen Form richtet sich das Buch sowohl an Ernährungsberater/innen und praktizierenden Ärzte/innen als auch an betroffene Patienten.

  • Autor: Reinhard Jarisch
  • Broschiert: 177 Seiten
  • Verlag: Thieme, Stuttgart; Auflage: 2., neubearb. u. erw. Aufl. (August 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 3131053828


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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
2. Einleitung
3. Histamin und biogene Amine
3.1 Histamin
3.2 Diaminoxidase (F. Wantke)
3.3 Histamin-Intoleranz
3.4 Diagnose der Histamin-Intoleranz
3.5 Die Entstehung von Histamin (W. Hemmer u. F. Wantke)
3.6 Histamingehalt in Nahrungsmitteln (W. Hemmer u. F. Wantke)
3.7 Wie alles entstanden ist: Wein-Unverträglichkeit
3.8 Nahrungsmittel-Allergien/Intoleranzen
4. Krankheitsbilder bei Histamin-Intoleranz
4.1 Kopfschmerz
4.2 Verlegte oder rinnende Nase
4.3 Asthma bronchiale
4.4 Herzrhythmusstörungen
4.5 Magenbeschwerden (M. Raithel)
4.6 Durchfälle und weicher Stuhl (M. Raithel)
4.7 Niedriger Blutdruck
4.8 Urticaria
5. Medikamenten-Unverträglichkeit
5.1 Medikamenten-Allergie
5.2 Unverträglichkeit von entzündungshemmenden
und schwerzhemmenden Medikamenten
5.3 Kontrastmittel-Allergie
6. Chirurgische und zahnärztliche Operationen
6.1 Kollaps beim Zahnarzt
6.2 Chirurgische Operationen
7. Histamin-Intoleranz bei Frauen
7.1 Dysmenorrhoe (Regelbeschwerden)
7.2 Schwangerschaft und Allergie
8. Neurodermitis
9. Spezifische Immuntherapie
10. Vitamin B6 und Histamin
11. Vitamin C und Histamin
12. Stichwortverzeichnis


Leseprobe aus Kapitel 31

3.3 Histamin-Intoleranz
Unter Histamin-Intoleranz versteht man die Unverträglichkeit von mit der Nahrung aufgenommenem Histamin, deren Ursache ein Mangel des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO) oder ein Mißverhältnis zwischen Histamin und der DAO ist.
Nach unseren bisherigen klinischen Erkenntnissen scheint die Histamin-Intoleranz nicht angeboren, also nicht genetisch bedingt, sondern ein vermutlich erworbenes Krankheitsbild zu sein.
Entsprechend den Daten einer französischen Studie, bei der 33.000 Personen nach Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten befragt wurden, kann die Prävalenz der Histamin-Intoleranz mit knapp 1% der Gesamt-Bevölkerung angenommen werden.
Da 80% der erkrankten Patienten weiblichen Geschlechts sind und sich insbesondere in der Altersgruppe um 40 jahre finden, liegt ein Zusammenhang mit der Abnahme von weiblichen Geschlechtshormonen nahe. Darüber hinaus gibt es Arzneimittel, die Hemmer der DAO sind und somit, wie unsere Erfahrungen zeigen, wochenlang das histaminabbauende Enzym blockieren können.

Um welche Krankheitsbilder geht es eigentlich:
Um anatomisch gesehen von oben nach unten zu beginnen, geht es um häufige Kopfschmerzen bis Migräne, verlegte bis rinnende Nase, Atemwegsbeschwerden bis zum Asthma bronchiale, Herzrhythmusstörungen im Sinne von Tachykardien bez. Extrasystolen (schneller Pulsschlag bzw. unregelmäßiger Pulsschlag), Magen- und Darmbeschwerden, die zu weichem Stuhl bzw. Durchfällen führen können, chronisch niedrigen Blutdruck sowie Juckreiz und Quaddelbildung an der Haut. Darüber hinaus gibt es Hinweise, daß die Dysmenorrhoe, also Schmerzen am Beginn der Regel, Histamin-bedingt sein können.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß die Histamin-Intoleranz dann klinisch in den Vordergurnd tritt, wenn der Organismus mit mehr Histamin belastet wird, als er gegenwärtig abbauen kann. Da es nur ein Histamin gibt, ist es für den Organismus somit unerheblich, aus welcher Quelle das Histamin kommt. Es kann einerseits aus dem Körper selbst kommen, also von Blut- oder Gewebszellen (basophilen Granulozyten, bzw. Mastzellen), oder aber durch Nahrung aufgenommen werden. Darüber hinaus sind allergische Erkrankungen, wie Heuschnupfen und Asthma, Lieferanten von zuviel Histamin.
Da sich Histamin also addieren kann, ist es leicht verständlich, daß bei Überschreiten der individuellen Toleranzgrenze allergische oder allergieähnliche Symptome auftreten können.

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1) abgedruckt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Jarisch